Sprecher

Prof. Dr. Thomas Köhler

Thomas k%c3%b6hler2

Trends im eLearning und deren organisationale Implikationen

Abstract

Eine Reihe mediendidaktisch neuartiger Konzepte findet aktuell starke Beachtung in der Bildungspraxis ebenso wie in den bildungswissenschaftlichen Fachdiskursen. Dabei geht es um die Verfügbarkeit privater bzw. persönlicher technologischer Infrastrukturen („BYOD“) ebenso wie um die Frage der institutionellen Offenheit und Öffnung (OER, MOOC, etc.), aber auch die Autorenschaft von Wissensinhalten (User Generation of Content). Im Ergebnis lässt sich ein verändertes Lernerverhalten erwarten, welches stärker als bisher unabhängig und vor allem in neuen Gemeinschaften stattfinden kann. Didaktische Prinzipien wie das der Simulation finden eine Ergänzung in der Augmentierung von Realität, die Unterstützung der Bildungsaktivität durch Virtuelle Realitäten (VR) wird zu einer alltäglichen Erfahrung. Begleitet werden diese technologischen und sozialisatorischen Dynamiken durch eine quasi vollumfängliche Abbildung aller bildungsbezogenen Handlungen in Form von Daten - Big Data hat mit dem Ansatz der Learning Analytics auch die Bildungspraxis erreicht.
In der bildungswissenschaftlichen bzw. mediendidaktischen Fachliteratur der letzten Jahre finden sich vermehrt Hinweise auf organisationale und institutionelle Wirkungserwartungen dieserart technologiegestützten Lernens (TEL) – wobei diese teils emotional diskutiert und für die Gestaltung von akademischer Bildungspraxis interpretiert werden. So verfolgt bspw. die E-Learning-Strategie der TU Dresden drei Hauptziele: (1) Förderung von Individualität und Interaktion, (2) Unterstützung von Lehr und Lernprozessen und (3) Ausbau und Öffnung der Lehre. Diese Ziele werden durch ein integratives Innovationsmanagement und eine nachhaltige, mehrstufige Expansion festgelegt, die bestehende Strukturen und (finanzielle) Einschränkungen berücksichtigt, die synergetische Nutzung neuer Ressourcen ausnutzen und Freiräume durch Standardisierung und effizientere organisatorische und technische Prozesse eröffnen sollen.
In Anbetracht der Kombination verschiedener Stakeholder in einem Bottom-up- und einem Top-down-Ansatz unterscheidet sich dieser bewusste strategische Prozess von dem, was in der Literatur zur typischen (manchmal sogar unbeabsichtigten) Entwicklung von E-Learning an deutschen Universitäten zu finden ist (Köhler, Neumann & Saupe, 2010). Aber: mit der Öffnung einher geht dann die Möglichkeit einer hochschulübergreifende „Lehrkooperationen“ bei der Anwendung von Szenarien des Online Lernens. Liegt hier die Zukunft der akademischen Bildung und ist dies zugleich das Ende der klassischen Hochschule? Der Vortrag analysiert die bildungstechnologischen Perspektiven solcher Trends im eLearning und setzt diese in Bezug zu organisationalen Implikationen.

Curriculum Vitae

Prof. Dr. Thomas Köhler studierte Physik, Psychologie und Soziologie in Jena und Swarthmore (USA) und promovierte im Fachgebiet Kommunikationspsychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Nach einer Juniorprofessur an der Universität Potsdam nahm er 2005 den Ruf auf die Professur Bildungstechnologie an der TU Dresden an. Dort ist er zudem Direktor des Medienzentrums und Sprecher des Arbeitskreises E-Learning (Beirat) der Landesrektorenkonferenz Sachsen. Darüber hinaus engagiert er sich als Vorstandsprecher der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft und Mitglied in der Lenkungsgruppe des Leibniz-Forschungsverbundes Open Science. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Analyse, Konzeption und empirische Evaluation von Bildungsmedien mit den Schwerpunkten Bildungsorganisation und -technologie (Digitalisierung, eLearning und Bildungsportale), Berufliches Lernen und Lernortkooperation mit Online-Medien, Open Science (eScience) und Wissenskooperation mit Web2.0-Technologien, soziale und organisationale Kommunikation sowie kooperatives Arbeiten mit digitalen Medien (Telekooperation & computervermittelte Kommunikation).


Prof. Dr. Harmut Koenitz

Prof  dr  hartmut koenitz2

Interactive Narrative Design

Abstract

Narrative haben eine grundlegende Funktion in der menschlichen Kommunikation, der Erinnerung und dem Verständnis. Traditionelle Narrative Formen sind jedoch mit der Darstellung der Komplexität unserer aktuellen Alltagswelt und vieler global anstehende Themen zunehmend überfordert. Neue narrative Formen zur Darstellung und Vermittlung von komplexen Sachverhalten sind notwendig. Interactive Digital Narratives nutzen die die Möglichkeiten des digitalen Mediums, um Auswahlen zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten und konkurrierenden Perspektiven zu ermöglichen, die Konsequenzen dieser Entscheidungen zeigen und darüber hinaus Wiederholung und alternative Entscheidungen erlauben. Diese Formen sind besonders auch für die Lehre interessant und ihre Weiterentwicklung ist eine Aufgabe auch für Lehrende.

Curriculum Vitae

Hartmut Könitz ist Professor für Interactive Narrative Design an der HKU University of the Arts Utrecht, wo er eine Forschungsgruppe zum Thema leitet. Seinen Doktortitel hat er am Georgia Institute of Technology (Atlanta, USA) mit einer Arbeit über Theorie und Praxis von Interactive Digital Narratives erworben. Könitz‘ Forschung ist an der Schnittmenge zwischen Technology, Kultur, Kunst und Gesellschaft angesiedelt. Seine Arbeit hat zu mehr als 60 wissenschaftlichen Veröffentlichungen geführt, unter anderem „Interactive Digital Narrative – History, Theory and Practice“ (Routledge 2015) (Co-Herausgeber). Könitz‘ Autorentool ASAPS wurde für der Erstellung von mehr als 150 Werken genutzt, darunter Breaking Points (für iPad) und Occupy Istanbul (zusammen mit Inan Tempelkuran) über die Gezi Park Proteste in Istanbul 2013. In seiner Rolle als Künstler hat er Videos und Installationen geschaffen, die unter anderem in Atlanta, Paris, Istanbul, Seoul, Copenhagen and Porto gezeigt wurden. Sein aktuelles Werk ist The Multiple Lives of Walter B., eine interaktive Installation, die sich mit der Biographie und Handlungsmöglichkeiten von Walter Benjamin auseinandersetzt.


Prof. Dr. Detlef Krömker

Detlev

Bleibt alles anders - interaktive Medien in der Bildung

Abstract

Ein Zeitraum von mehr als 25 Jahren im Bereich eLearning. Das ist insbesondere für die Informatik eine gewaltige Zeit … wie man es auch rechnet, irgendwas zwischen 17 und 25 Generationen. Natürlich hat sich in dieser Zeit Vieles geändert – nicht nur in der Technologie. Die Anwendungen sind heute zum Teil ganz andere als 1995 und daraus resultierend auch die zugehörigen Forschungen. „Interaktion“ ist hier ein Schlüsselbegriff. Nur wenn man nachvollziehen und verstanden hat, was und warum die eLearning-Geschichte so gelaufen ist, kann man auch verantwortungsvoll in die Zukunft blicken und vielleicht Neues identifizieren. Dies betrifft die Inhalte aber auch die Methoden und die Anwendungen.
Folgen Sie Professor Krömker auf einem Weg durch die eLearning-Geschichte, allgemein und persönlich, international und an der Goethe-Universität, große und kleine Facetten. Die Zukunft ist offen – gerade an der Goethe-Universität, aber es zeichnen sich verschiedene Entwicklungen ab.

Curriculum Vitae

Prof. Dr. Detlef Krömker studierte erst Elektrotechnik und dann Informatik in Bielefeld und Darmstadt und promovierte im Fachgebiet Visualisierung an der TU Darmstadt bei Professor Encarnacao. 15 Jahre lang arbeitete er als Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt, zunächst als Abteilungsleiter, dann als Bereichsleiter und stellvertretender Institutsleiter. In dieser Zeit organisierte er im Jahr 1995 als General Chair die dritte Internationale WWW-Konferenz in Darmstadt. Seit 1999 ist Detlef Krömker Professor für "Graphische Datenverarbeitung“ an der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Seit 2004 engagiert er sich an der Goethe-Uni fürs eLearning, zunächst als (Mit-)Projektleiter, dann als Leiter der neu gegründeten Einrichtung studiumdigitale. Heute leitet er als Sprecher des Vorstandes diese zentrale eLearning Einrichtung der Goethe-Universität.
Die Graphische Datenverarbeitung (oder Computergrafik) ist eine Teildisziplin der Informatik. Seine Forschungsschwerpunkte sind Authoringprobleme in Multimedia, eLearning und Mixed Reality, sowie deren Anwendungen. Professor Krömker sah sich seit seiner Fraunhofer Zeit insbesondere der angewandten Forschung verpflichtet, zieht also seine Forschungsideen und -ansätze aus den Anwendungen.
Im Jahr 2018 organisierte er u.a. die DeLFI und die HDI mit dem Motto „Ditialisierungs(wahn)sinn? - Wege der Bildungstransformation“. Er ist aktiv in der Hochschulpolitik und hält diverse Positionen in der universitären Selbstverwaltung.