Foto von Dr. Ulrike Mascher

Bilderbuch-Lab: Bilderbuch meets Extended Reality (XR)

Dr. Ulrike Mascher / Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Im Wintersemester 2025/26 haben wir mit dem Seminar „Bilderbuch-Lab: Bilderbuchanalyse im Raum“ am Fachbereich 10 (Neuere Philologien) ein Experiment gewagt: Dr. Ulrike Mascher (studiumdigitale) und Dr. Felix Giesa (Institut für Jugendbuchforschung) luden Studierende ein, sich intensiv und kritisch mit den Potenzialen von Extended Reality (XR) für das Medium Bilderbuch auseinanderzusetzen.

Ziel war es, gemeinsam neue ästhetische Ansätze auszuloten genauso wie der Frage nachzugehen, wie ein pädagogisch sinnvoller und zugleich sicherer Umgang mit immersiven Medien im schulischen Kontext aussehen kann.

Teilnehmende sammeln erste Erfahrungen mit immersiven Technologien.

Immersive Technologien hautnah

Zum Auftakt erhielten die Teilnehmenden eine praxisnahe Einführung in immersive Technologien wie Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und 360°-Umgebungen. Neben grundlegenden Begriffsklärungen stand vor allem das eigene Erleben im Mittelpunkt: Während des VR-Onboardings sammelten die Studierenden erste eigene Erfahrungen mit den Technologien und reflektierten diese anschließend. Dabei wurden sowohl technische Aspekte als auch didaktische Fragen diskutiert: Was funktioniert intuitiv? Wo entstehen Irritationen? Und welche neuen Möglichkeiten bieten immersive Medien – sowohl aus künstlerischer als auch aus pädagogischer Perspektive?

In der zweiten Sitzung stand das Bilderbuch mit seinen sechs Dimensionen im Zentrum. Außerdem ging es um die Verbindung von Literatur und digitalen Räumen sowie die Frage, wie sich Bilderbücher durch immersive Formate erweitern lassen.

Ein wichtiger Bestandteil waren dabei die Gruppenarbeit und anschließende Diskussion zu den Herausforderungen beim Einsatz von XR im Schulalltag. Hier zeigte sich ein vielschichtiges Bild: Neben finanziellen Hürden und mangelnder technischer Ausstattung wurden insbesondere fehlende Fortbildungen, organisatorischer Aufwand sowie Unsicherheiten im didaktischen Einsatz genannt. Auch Datenschutzfragen und die Integration in bestehende Lehrpläne spielten eine wichtige Rolle. Gleichzeitig wurde das Potenzial insbesondere im Hinblick auf Motivation, Anschaulichkeit und neue Zugänge zu Lerninhalten betont.

Mithilfe immersiver Technologien erweckten Studierende Bilderbücher zum Leben.

Vom Konzept zur Anwendung

Die dritte Sitzung stand dann ganz im Zeichen des gemeinsamen kreativen Experimentierens: Im „Bilderbuch-Lab“ entwickelten die Studierenden eigene Prototypen auf Basis ausgewählter Bilderbücher. Inspiriert durch Anwendungen wie z. B. das Anne-Frank-Haus in VR wurden erste eigene XR-Projekte konzipiert und umgesetzt. Den Höhepunkt bildete dann die Abschlusssitzung. Hier arbeiteten die Studierenden mit der App Reality Composer, einem niedrigschwelligen Tool zur Erstellung interaktiver Augmented-Reality-Anwendungen. Die Aufgabe: Ein zuvor ausgewähltes Bilderbuch durch AR-Elemente erweitern und neu erfahrbar machen. Kompetente und tatkräftige Unterstützung bekamen die Studierenden dabei von Jennifer Seewald, studentische Hilfskraft bei studiumdigitale.

Innerhalb von vier Stunden entstanden in Gruppenarbeit beeindruckend vielfältige Anwendungen. Ohne Vorkenntnisse im Programmieren entwickelten die Studierenden kreative und interaktive Erweiterungen ihrer Geschichten.

Extended Reality ermöglicht Literatur neu zu erleben und Lernprozesse zu bereichern.

So erhielten etwa der Grüffelo und seine Freunde ein Mikrophon und Sprechblasen sowie eine mit Audio unterlegte Stimme, um ihre Geschichte selbst erzählen zu können. Frederick die Maus wurde Teil eines interaktiven Erlebnisses, bei dem Leser*innen spielerisch in die Handlung eingebunden wurden und in „Buchstabenhausen“ wurden Buchstaben durch animierte Objekte und visuelle Elemente ergänzt und konnten explorativ entdeckt werden. So erwachten Figuren zum Leben, bewegten sich im Raum oder wurden durch Audio und Animation erweitert. Die Bandbreite der studentischen Arbeiten spiegelte dabei die Vielfalt der Bilderbücher wider und zeigte eindrucksvoll, wie kreativ XR-Technologien eingesetzt werden können.

In der abschließenden Präsentation und Diskussion reflektierten die Studierenden nicht nur ihre eigenen Lernprozesse, sondern auch mögliche Einsatzszenarien im schulischen Unterricht. Besonders hervorgehoben wurden die Förderung von Kreativität und Medienkompetenz, neue motivationale Zugänge zum Lesen und die Möglichkeit, abstrakte Inhalte anschaulich und interaktiv zu vermitteln. Gleichzeitig gab es auch kritische Stimmen: Die erfolgreiche Integration in den Schulalltag erfordert weiterhin strukturelle, technische und didaktische (Weiter-)Entwicklungen.

Das Seminar hat gezeigt, dass XR weit mehr ist als ein technischer Trend. Richtig eingesetzt, kann XR ein wirkungsvolles Werkzeug sein, um Literatur neu zu erleben und Lernprozesse zu bereichern. Besonders das Bilderbuch erwies sich als ideales Medium, um narrative Inhalte mit interaktiven und räumlichen Elementen zu verbinden. Das „Bilderbuch-Lab“ machte damit nicht nur theoretische Konzepte greifbar, sondern eröffnete den Studierenden auch konkrete Perspektiven für den zukünftigen Einsatz digitaler Medien im Unterricht.

Weitere Autor*innen:
Jennifer Seewald

Studentische Hilfskraft
XR | Webseite

Mehr Artikel zum Thema

7 Artikel
Foto von Dr. Ulrike Mascher
Dr. Ulrike Mascher

Bilderbuch-Lab: Bilderbuch meets XR

Studierende erweitern bekannte Kinderbücher zu interaktiven, digitalen Lernerlebnissen.

Foto: Adobe Stock/ Worawut
Dr. Sarah Voß-Nakkour

Unsere Jahreshighlights

Das haben wir 2025 umgesetzt: ein kompakter Einblick in unsere Arbeit.

Banner der TURN-Conference 25 vor dem darmstadtium in Darmstadt
Foto von Dr. Ulrike Mascher
Dr. Ulrike Mascher

fuels und DigiTeLL auf der TURN25

TURN to Action! Kreative Ansätze und Zukunftsideen für immersive Lehr-/Lernräume in der Hochschule.